Pröpstin beim ACM: Mit Schutzengel sicher unterwegs

"Vier Räder sind uns zu kompliziert – für uns reichen zwei". Es wird viel gescherzt bei der Arbeitsgemeinschaft christlicher Motorradfahrer (ACM), die sich jede Woche in der Kirchengemeinde Paul-Gerhardt trifft. Im Sommer wird gefahren, im Winter diskutiert – und immer steht die Gemeinschaft ganz oben.



Diese Gemeinschaft wollte Pröpstin Petra Kallies kennenlernen, als sie sich zur Sommersaison für einen Besuch in der Gruppe anmeldete – allerdings ohne Tour. "Mir reichen auch zwei Räder, aber ich trete lieber selbst", sagte die passionierte Fahrradfahrerin. Als Geschenk hatte sie gelbe Warnwesten mit einem Schutzengel und dem Logo des Kirchenkreises dabei. "Ich hoffe, Sie haben nie einen Unfall und werden diese Westen nicht brauchen", sagte sie.

Unfälle gab es selten in den letzten 26 Jahren, die sich die Gruppe von vielleicht 30 Männern und Frauen zwischen 24 und 71 Jahren nun trifft. "Erst zweimal waren von uns Mitglieder leicht verletzt im Krankenhaus", berichtet Petra Mensie, "komischerweise beide zur gleichen Zeit, obwohl die Unfälle gar nichts miteinander zu tun hatten." Die Gruppe sei eben auch eine Gruppe mit Werten, da wird vernünftig gefahren und ordentlich miteinander umgegangen.

Viele kommen paarweise, wie Gudrun und Alfred Krechowicz. Seit einem halben Jahrhundert sind sie ein Paar, er fährt, seit er 18 Jahre alt ist. Sie sitzt immer hinten. Nein, langweilig sei das gar nicht. "Unter dem Helm kann man tun, was man will", schwärmt sie. Singen. Schlafen. Nachdenken. "Ich habe die ganze Kinderbibelwoche auf dem Beifahrersitz durchgeplant", berichtet sie.

Das C im Namen ACM ist nicht nur schmückendes Beiwerk: Im Sommer geht es in der Gruppe hauptsächlich um zwei Räder, im Winter aber steht Bibelarbeit auf dem Programm. "Wir diskutieren dann lange und ausgiebig", schmunzelt Gudrun Krechowicz, "für die zehn Gebote haben wir zwei Winter gebraucht. Besonders das fünfte Gebot – Du sollst nicht töten – hat viele Debatten ausgelöst; Sterbehilfe, Abtreibung, Krieg... was da alles mit dranhängt..." Spätestens im Februar beginnen dann die Vorbereitungen für den Eröffnungsgottesdienst, der seit Jahren traditionell in St. Marien gefeiert wird.

Die guten Diskussionen sind es auch, die B. B. hier schätzt. Er ist katholisch, seit 1988 in Lübeck, die ACM hat er vor einem Jahr bei Facebook entdeckt. Er hat sein Motorrad erst seit drei Jahren, aber ohne geht es jetzt gar nicht mehr. Sein größter Traum: einmal mit dem Motorrad nach Jerusalem. Die ACM ist eben auch ein Ort, wo man versucht, seine Träume zu verwirklichen.

Wer Lust hat, kann gern mal vorbeischauen, Treffen ist jeden Donnerstag um 20 Uhr im Gemeinderaum der Paul-Gerhardt Kirche, Am Stadtrand 21 in Lübeck. "Es gibt keine Ferien, wir treffen uns 51 mal im Jahr", so der Dienstälteste Pastor Michael Bethke. "Nur an Christi Himmelfahrt, da sind wir alle in der Kirche und dann auf der Straße."

Pröpstin Petra Kallies besuchte den ACM. Fotos: Katja Launer

Pröpstin Petra Kallies besuchte den ACM. Fotos: Katja Launer

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http://www.hl-live.de/aktuell/text.php?id=85006

http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Ein-Schutzengel-fuer-Biker